"Was wird aus dem Menschen,
wenn alle Tiere verschwunden sind ?
Wenn sie alle verschwunden sind,
wird der Mensch im Geiste und
der Seele verlassen sein.
Denn alles, was den Tieren widerfährt,
wird auch dem Menschen widerfahren."

Häuptling Sitting Bull


Amerikanische Bison - Geschichte

König der Prärie – Der amerikanische Präriebison
Obwohl der amerikanische Präriebison einst das zahlreichste und weit verbreitetste, wildlebende Huftier der Welt war, wurde er vom Menschen fast ausgerottet. Seine Dominanz auf dem amerikanischen Kontinent, sein rasches Verschwinden bis hin zu seiner Beinahe-Ausrottung, und sein grosses Comeback in der heutigen Zeit - kaum ein Tier hat eine so faszinierende Geschichte.

Ursprünglich scheint der Bison aus Asien zu stammen. Man geht davon aus, dass bei der Beringstrasse eine Landbrücke existiert hat, und seine Vorfahren so auf den amerikanischen Kontinent wanderten. Dies geschah vor ca. ½ Mio. Jahren. Nachdem der Übergang bei der Beringstrasse verschwand, wurden die asiatische und die amerikanische Herde getrennt. Es entwickelten sich der Wisent (lebt heute noch in Polen + Weissrussland) und der Präriebison.

Die Zahl der Bisons anfangs des 19. Jahrhunderts war unvorstellbar. Die Schätzung von ca. 60-70 Mio. Tieren erscheint heute als realistisch, sie verteilen sich von New Mexiko im Süden bis hinauf in das nördliche Alaska. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Mensch wenig bis keinen Einfluss auf die Lebensweise der gewaltigen Bisonherden und ihre Umgebung. Nur das indianische Volk hat seit Urzeiten den Bison bejagt.

Die ca. 200'000 Indianer töteten in einem Jahr ca. 2 Mio. Büffel, das war nur ein Drittel des jährlichen Zuwachses der Herden. Die Büffel lieferten den Indianern alles für ihr Leben: Fleisch, Kleidung und ein Dach über dem Kopf (Fell), die täglichen Gerätschaften, wie Kellen, Schaufeln, Nähfaden und Kultgegenstände für die traditionellen Riten ihrer Religion (Knochen, Sehnen, etc.).

Der Bison war und ist in der indianischen Mythologie von immenser Wichtigkeit, ihm wird eine grosse Weisheit zugesprochen. Er wird bis heute tief verehrt, denn ein weisser Bison hat das „Rote Volk“ und alle Lebewesen vom kalten Dunkeln in das Licht und die Wärme der Mutter Erde geführt. Wie kein anderes Volk auf der Welt war der Indianer abhängig von einem einzigen Tier, vom Präriebison.

Mit der Ankunft der weissen Einwanderer aus Europa änderte sich die Situation der einheimischen Menschen sowie der Tiere schlagartig. Bisons waren das erste Zahlungsmittel der Indianer an die Weissen für Konsumgüter. Der König der Prärie wurde nun nicht mehr aus Notwendigkeit, sondern aus Profitgier geschlachtet. Weisse wie Indianer töteten nun mehr Tiere als sich vermehren konnten.

Der Untergang dieser imposanten Erdbewohner hatte begonnen. Mit dem weiteren Vorstossen in das Innere des Kontinents und dem zunehmenden Gebietsanspruch der weissen Bevölkerung, wurde der Bison auch zum Politikum. Die Indianer wehrten sich verbissen gegen den „weissen Mann“. Dieser erkannte sehr wohl die enge Verknüpfung zwischen den Bisons und den Ureinwohnern Amerikas.

Der Gedanke war nahe liegend:
„Ein Land ohne Bisons würde ein Land ohne störende Indianer sein“.
Keine Armee konnte die Indianer so schnell in die Knie zwingen wie die Büffeljäger mit ihren Gewehren. Sie entzogen mit ihrer fanatischen Jagd einem ganzen Volk die Lebensgrundlage, dazu wurden sie als Helden gefeiert.
Das sinnlose Abschlachten zur Lösung des Indianer-Problems, der Bau der Eisenbahn quer durch Amerika und die Konkurrenz der riesigen Longhorn Herden der weissen Farmer brachten die einst so unendlich erscheinenden Bisonherden an den Rand ihrer Ausrottung. In 120 Jahren wurden 60 Mio. Tiere getötet, viele wurden nicht einmal verwertet. Man tötete sie einfach aus Spass.
Auf dem ganzen amerikanischen Kontinent schätzte man um 1870 noch ca. 500-1’000 Tiere, die das Massaker überlebt hatten.

Der erste Schritt zum Schutz der Bisons wurde mit der Gründung des Yellowstons-Parks 1872 gemacht. Auf dem Parkgebiet gab es gerade noch ca. 21 Büffel, und der heutige Bestand basiert auf diesen Überlebenden.
Zwischen 1870 und 1920 haben sich immer mehr Menschen an den Wert des Bisons erinnert. Sie haben sich mit viel Kraft und Geduld für dieses Tier eingesetzt. Ihnen ist es zu verdanken, dass es heute wieder über 1 Mio. Stück dieser so ausdrucksstarken Tiere auf der Welt gibt.

Die meisten von ihnen leben auf grossen Farmen, wo sie ein Stück Prärie geniessen dürfen. Die langen Wanderungen der donnernden Herden werden aber, wie so manch anderes auf unserem Erdball, wohl für immer der Vergangenheit angehören.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Bison im Schnee

Bisonbulle im Alter von 8 Jahren

Bisonkalb 1 Monat alt

Bisonkuh mit Bulle

Bisonrind 3 Jahr alt

Auge in Auge